Ich hatte vor Jahren meinen alten Schultaschenrechner, den TI-59 von Texas Instruments, achtlos in eine Kiste gepackt. Dort lag er nun mehrere Jahrzehnte herum, bis ich vor einigen Tagen auf diese kleine Schatzkiste traf, und dort allerlei Schätze zu Tage kamen. Unter anderem auch der besagte TI-59. Der Akku war mittlerweile ausgelaufen und auch sonst gab er keinen Mucks mehr von sich. Da ich fand, das so ein altes Schätzchen nicht auf den Müll gehört, habe ich mich an die Reparatur gemacht.

Sicherlich mag sich der eine oder andere noch an seinen Taschenrechner in der Schule erinnern. Besonders die Älteren unter uns, die noch ein echtes Stück Technik mit sich in der Schultasche herum trugen. Sie mögen damals noch nicht so elegant und mit Features gespickt gewesen zu sein, aber dafür sind sie ein Stück Technikgeschichte. Es gab damals noch kein Farbbildschirm, geschweige denn Touch Screen. Auch wurden keine Formeln oder Brüche dargestellt. Damals musste man sich noch ein wenig mit dem Thema beschäftigen und vor allem auch die Grundkentniße in der Mathematik beherrschen. 

Ich höre schon die Jahrgänge vor uns, die noch mit Rechenschieber und Logarithmentafel arbeiten mussten. Ehrlich gesagt bin ich froh, dass dies damals schon Geschichte war. Es war zwar nicht unbedingt in der Schule etwas besonders, einen solchen Taschenrechner zu besitzen, aber preiswert war dieses Vergnügen damals nicht. Ich kann nicht mehr genau sagen, wie teuer er war, aber es waren schon gute 400 bis 500 DM gewesen. Das sich Eltern da heute aufregen, weil in der Oberstufe ein Taschenrechner verlangt wird, der heute um die 80,- Euro kostet, ist mir ein Rätsel. 

Aber zurück zum eigentlichen Thema. Nachdem ich den Rechner ausgepackt und erst einmal halbwegs sauber gemacht hatte, fiel mit direkt der Akku ins Auge. Dem hatte die lange Lagerzeit über mitgespielt und er fing langsam an, auszulaufen. Glücklicherweise lag der Taschenrechner mit dem Akku nach unten, so dass der eigentliche Rechner nichts abbekommen hatte.

Als erstes musste der Taschenrechner von seinem Gehäuse befreit werden. Das ging erstaunlich gut, waren doch nur 2 Schrauben zu lösen. Danach konnte man die Rückseite problemlos abnehmen. Dann mussten noch 4 Schrauben von der Magnetkartenleseeinheit entfernt werden, und die Platine konnte sanft entnommen werden.

TI59 Platine

 

Dafür, dass die Platine gute 40 Jahre auf dem Buckel hat, ist noch alles sehr gut erhalten. Erst einmal alles ein wenig sauber gemacht und eine Sichtkontrolle durchgeführt.

Zumindest optisch ist nichts zu beanstanden. Der ausgelaufene Akku hat keinerlei Schäden verursacht und da der Rechner sehr trocken gelagert wurde, sind auch andere Schäden nicht zu vernehmen. Also erst einmal ein Multimeter angeschlossen, und schauen ob vielleicht ein Kondensator einen Kurzschluss hat.

Auch hier war erst einmal nichts besonders zu messen. Sah zumindest auf dem ersten Block gut aus.

Der Akku bestand aus 3 NiCd Zellen, die jeweils 1,2V haben. Also insgesamt 3,6V. Da ich keinen entsprechenden Akku mehr hatte, habe ich als erstes mein Labornetzteil angeschlossen.

TI59 Strom vom Netzteil

 

Aus dem Internet habe ich mir noch das Service Manual heruntergeladen, in der Hoffnung, dort die zu erwartende Stromaufnahme zu finden. Leider umsonst. Nun gut, also erst einmal langsam den Strom auf 200mA erhöht. Immerhin fing der Motor des Magnetkartenlesers an zu laufen. Obwohl eigentlich auch nicht gut, denn das sollte er gar nicht von selber.

Im Service Manual steht, dass der Rechner mit 3 Spannungen arbeitet. Einmal den 3.6V der Batterie, und dann zwei Negativen Spannungen von -10V und -16V. Diese kann man recht leicht am Modulschaft messen. 

Dort lagen allerdings nur -7V und -9V an. Also scheint doch etwas defekt zu sein. Im Service Manual ist glücklicherweise ein Schaltplan, wenn auch leider nicht von guter Qualität. Glücklicherweise fand ich im Internet noch das Dokument TI59 HW Annotations. Dort hatte jemand den Schaltplan neu gezeichnet. Besonders das Power Modul, welches im Service Manual fast nicht zu erkennen war, konnte ich nun vernünftig lesen.

Also erst einmal das Power Modul ausgelötet.

TI59 Power Module

 

Ein kleines feines Modul, welches aus den 3,6V des Akkus die beiden negativen Spannungen erzeugt. Dieses wieder an das Labornetzteil angeschlossen, erbrachte das gleiche Ergebnis. Was auf dem Bild recht gut ersichtlich ist, also der gebrochene Widerstand, war im ersten Moment gar nicht zu sehen. Denn auf der rechten Seite fehlen die 3 Transistoren, die ich zum Test ausgelötet hatte. Da auf diesem kleinen Platinchen es recht eng zugeht, hatten die Transistoren das eigentliche Problem verdeckt. 

Also Widerstand ausgetauscht, noch einmal das Labornetzteil angeschlossen und die Spannungen gemessen. 

Jetzt sah es gut aus, es lagen zum einen -15,5V an Vgg und 9,8V an Vdd an. Alles innerhalb der Spezifikationen, die laut TI bei Vgg von -15.3V bis 16.3V und für Vdd von 9.5V bis 10.5V liegen. Also habe ich das Modul wieder eingelötet und den Test von vorhin wiederholt.

Leider wieder negativ, und diesmal zeigt das Netzteil einen Kurzschluß an. War auch irgendwie zu einfach gewesen.

Also das Power Modul wieder ausgelötet und noch einmal kontrolliert. Auf dem Modul sitzen 3 Kondensatoren, zwei davon sind Tantalkondensatoren, die ja nun auch Ihre 40 Jahre hinter sich haben. Also erst einmal raus damit und kontrolliert. Und der zweite, auf dem Bild der braune Tantal mit 33µF hatte einen Kurzschluß. Also diesen auch noch ausgetauscht und das ganze Prozedere von vorn.

Nun sah es schon wesentlich besser aus.

TI59 Display

 

Im Display erkennt man allerdings einen Fehler. Es fehlen zwei Segmente des 3. Digits. Nun ja, damit werde ich vermutlich leben müssen. Ich werde zwar versuchen, irgendwo ein Ersatzdisplay aufzutreiben, mache mir da aber keine allzu große Hoffnung. Immerhin läuft das gute Stück nun wieder. Irgendwie ein schönes Gefühl, so ein altes Gerät wiederbeleben zu können. Und schon erstaunlich, dass die Technik eigentlich die Jahrzehnte ohne größere Blessuren überlebt hat, zumal er während der Schulzeit nicht immer pfleglich behandelt wurde.

 

Texas Instruments TI59 Taschenrechner

 

Für damalige Verhältnisse war dies schon ein toller Taschenrechner. Und er war nicht nur programmierbar, sondern hatte verschiedene Möglichkeiten, die Programme zu speichern. Zum einen war von Werk aus ein sogenanntes CROM eingebaut, auf dem sich schon diverse kleine Programme und sogar "Spiele" befanden. Spiele schreibe ich deswegen in Anführungszeichen, weil diese mit heutigen Spielen natürlich nicht vergleich waren. Es waren eher so kleine Spielchen, wie zum Beispiel "Errate eine Zahl", etc. 

Interessanter waren da schon Programme, für Zinsberechnungen oder Wissenschaftliche Berechnungen. Aber zusätzlich war der Rechner erweiterbar mit fertig zu kaufenden Speichermodulen. 

TI59 Erweiterungsmodul

 

Auf der Rückseite befand sich dafür ein entsprechender Modulschacht. In diesen konnte man dann die gekauften Module einsetzen. Diese Module gab es für verschiedene Bereiche und Anwendungszwecke. Persönlich habe ich davon nicht wirklich etwas gebraucht. Ich kann nicht mal genau sagen, ob dieses Modul schon dabei war, oder ich irgendwann mal bekommen hatte.

Nun war dieser Taschenrechner programmierbar. Man konnte also kleine Programme schreiben, die einem das Leben schon erleichtern konnten. Besonders immer wieder kehrende Prozeduren waren so immer schnell abrufbar. Und damit man verschiedene Programme, oder auch entsprechende Daten dazu, immer wieder abrufen konnte, waren diese Programme nicht nur im gepufferten RAM verfügbar, sondern man konnte diese auf kleine Magnetstreifenkarten abspeichern.

TI59 Magnetkarte

 

So hatte man seine wichtigsten Programme und Daten immer Griffbereit, auch wenn der Akku mal wieder leer war. Um das Programm abzurufen, brauchte man diesen nur seitlich in den dafür vorgesehenen Magnetleser einführen. Die Karte wurde dann motorisch einmal durchgezogen und kam auf der anderen Seite wieder heraus.

TI59 einlegen Magnetstreifen

 

Für damalige Verhältnisse, und wir reden hier ungefähr Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre, war das schon ein tolles Stück Technik. Sicherlich war HP damals wesentlich weiter und noch besser ausgestattet, preislich aber dafür auch eine ganz andere Klasse. Davon hat man nicht mal zu träumen gewagt.

Als nächstes werde ich noch versuchen, den Rechner auch optisch ein wenig auf Vordermann zu bringen und ihm einen neuen Akku zu spendieren. Da es sich um ganz normale AA Zellen handelt, ist dies kein größeres Problem. Der Akkukäfig war zwar voll von Säureresten, aber glücklichweise hat dieser ansonsten keinen Schaden genommen. Ich brauche also nur 3 neue Zellen einzubauen, und der Rechner ist fast wie neu.

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